Mein Leben & ich in crazy Peking
Die Chinesen sind schon echt ein ulkiges Volk. Der 1. Mai ist auch hier ein Feiertag, fiel aber leider auch hier auf einem Samstag. Damit der freie Tag nicht verloren geht, beschlossen die meisten Firmen am darauf folgenden Montag frei zu machen – so auch meine! ;-)
Dank des langen Wochenendes buchte ich spontan einen Tripp nach Lhasa, Tibet. Lhasa liegt ca. 5000 km südwestlich von Beijing im autonomen Gebiet Tibet. Lhasa bedeutet auf Tibetisch „heiliges Land“ wird aber auch dank der knapp 3000 Sonnenstunden pro Jahr „Stadt des Sonnenscheins“ genannt.
Am Samstagmorgen ging’s auf zum Flughafen und ab in die Luft. Nach gut 2,5 Stunden Flug hieß es dann „Welcome to Chongqing Airport“ und ich nur hatte nur ein großes Fragezeichen auf der Stirn stehen. Bin ich in den falschen Flieger gestiegen? Ich wollte doch nach Lhasa und nicht Chongqing... Lange Rede kurzer Sinn: Der Flieger machte einen Zwischenstopp, wo Passagiere ein- und aussteigen konnten, Benzin aufgefüllt (nur für die Fälle, man könne in Lhasa nicht landen) und die Piloten ausgetauscht (nicht jeder kann nach Lhasa fliegen) wurden. Nach knapp einer halben Stunde auf dem Flughafen und weiteren 3,5 Stunden Flug landete ich in Lhasa.
Während des Fluges habe ich einen 8000er (ich glaube es war der Mount Everest) gesehen – Wahnsinn, wie riiiiiiiiiiiiiesig der war!!!! Generell hatte man das Gefühl man fliegt nur ganz knapp über die hohen Bergen des Himalaya, ich konnte sogar die Spuren von Lawinen sehen! ;-)
(Blick aus dem Flieger auf den Himalaya)
Am Flughafen wurde ich von meinem Guide Sangbu und dem Fahrer „Mr. Sun“ (den eigentlichen Namen (englische Bedeutung: sun) konnte ich nicht aussprechen, also habe ich ihn kurz umgetauft^^) abgeholt. Als Begrüßung erhielt ich einen weißen, traditionellen Gebetschal. Ca. 1 Stunde fuhren wir über Stock und Stein nach Lhasa City. Unterwegs hielten wir an einem Tempel und einem Felsen mit eingemeißelten Buddhas.
Mein Hotel „Yak Hotel“ war -muss ich sagen- eine echte Überraschung. Da die Reiseagentur das Hotel (ohne eigne englische Internetseite) gebucht hatte, war ich auf so ziemlich alles gefasst. Doch das Zimmer war sauber, heißes Wasser gab es auch und morgens gab es neben Nudeln und Reis sogar Toast! ;-) Ein Traum!
Nach einer kurzen Pause (man soll sich die ersten Tage in Tibet nicht überanstrengen, da manchen die dünne Luft zu schaffen macht!) machte ich mich auf in die kleinen Seitenstraßen.
Nach einem Spaziergang durch die Gassen und über verschiedene Plätze fand ich ein schönes Lokal: „Lhasa kitchen“! Durch den englischen Namen (das bedeutet meist auch englische Speisekarten, statt nur Bilder!) angelockt, ging ich hinein. Schnell war ein passendes Gericht –nepalesisches Curry mit Yak (deutsch: Wildyak oder auch Grunzochse ^^) Fleisch– gefunden. Am Nebentisch saß eine Gruppe deutscher Männer und so beschlossen wir zusammen zu essen. Die Jungs waren Münchner Bierbrauer, die in Lhasa eine neue Brauerei aufbauen sollen. Kurze Zeit später kamen noch die zwei Frauen, die ich beim deutschen Stammtisch in Peking kennengelernt hatte, dazu und unsere Runde war komplett. Kurzerhand entschieden wir uns zu einer typisch, traditionellen, tibetischen Tanzshow zu gehen. Die Show erinnerte mich ein bisschen an das Musical König der Löwen. Der Haupttänzer hatte eine (afrikanisch aussehende) Maske auf und tanzte wie ein Medizinmann im Kreis! ;-)
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(in der Teeküche. v.l.: Mr. Sun, Big Mama, Sangbu)
Nach einem Frühstück mit Blick auf die Berge holte mich mein Guide pünktlich um 9 Uhr in der Lobby ab. Wir liefen zu einer kleinen urigen Teeküche. Dort angekommen war ich die einzige NICHT-Tibeterin (nicht einmal nicht-Asiatin!) und wurde ganz offen angeglotzt. Naja, das kenn ich ja schon aus Peking, also einfach weiter. Wir suchten uns einen Platz auf den kleinen „Bierzeitgarnituren“ und schon kam „Big Mama“ mit einem großen Kessel dampfenden Tee. Auf dem Tisch lagen kleine Scheine (meist Mao, bei uns sowas wie Cent) und sie sammelte nach jeder Tasse ein paar davon ein. Eine Tasse kostete umgerechnet 5 Cent. ;-)
Im Anschluss stiegen wir in den Toyota Landcruiser und Mr. Sun fuhr uns zum Potala Palace, dem ehemaligen Winterpalast der Dalai Lamas. Der weiße Potala Palace liegt auf dem Berg Marpori 130m über dem Stadtzentrum und ist das Wahrzeichen von Lhasa. Er wurde im 15. Jahrhundert fertiggestellt (erste Bauten gab es schon seit 637!), hat insgesamt über 2000 Zimmer, gefühlte 100.000 Buddhas und die weltweit höchste öffentliche Toilette! ;-) Seit 1961 steht eben dieser Palast auch auf der Liste des Weltkulturerbes. So etwas schönes muss man aber auch beschützen!
(vor dem Potala Palace)
(Treppen, nichts als Treppen...)
(Von ganz oben, schaute sich der Dalai Lama Tanzshows auf dem Palastplatz an)
(tadaaaa!^^)
Leider waren im Inneren keine Fotos erlaubt... aber insgesamt kann ich sagen, dass alle Räume sehr bunt (hauptsächlich rot, grün, blau und gold) waren und mit den verschiedenen Buddhas oder Denkmälern der Dalai Lamas ausgestattet waren und überall Mönche gebetet haben. Außerdem brannten neben Butter-Öl-Kerzen auch überall Räucherstäbchen, sodass dank der dünnen Luft und den Räucherstäbchen mir manchmal –nicht nur wegen Überwältigung- die Luft wegblieb! ;-)
Ein einem Raum konnte man seinen Namen und Wünsche auf Tibetisch auf ein kleines Stück rotes Papier schreiben lassen. Anschließend warf man es in einem Korb, wo es später ein Mönch herausnahm und die Wünsche laut vorlas und anschließend verbrannte und die Asche vor einen Buddha schüttete. Angeblich sollen alle diese Wünsche wahr werden – ein bisschen Aberglauben kann ja nicht schaden ;-) Bei dem Abstieg von Palast traf Sangbu einen befreundeten Guide mit einem jungen, kanadischen Touri. Kurzerhand beschlossen wir den Rest der Tour zusammen zu machen, ist ja in der Gruppe doch viel lustiger. Leider war nämlich zu meinem (kurzfristigen) Buchungszeitpunkt keine Gruppentour mehr möglich!
In einer Teppichfabrik sahen wir wie die traditionellen Teppiche aus Yakwolle hergestellt werden. Auf meine Frage hin wie viel die Frauen hier verdienen, erklärte mein Guide „2 US Dollar“ und der Hammer „per month!“. Unglaublich!!! Die Teppiche wurden dann im 2. Stock für Preise ab 900 US Dollar verkauft. Als ein Verkäufer zu aufdringlich wurde, habe ich ihm erst mal auf Deutsch meine Meinung gegeigt! Englisch wäre zu riskant gewesen, wollte schließlich nicht im Gefängnis oder so landen. Etwas verdattert, ließ dann der Verkäufer von mir ab und wir verschwanden (ohne etwas zu kaufen!) aus dem Laden!
Nach einer kurzen Rast besuchten wir den Jokhang Tempel. Dieser steht in mitten der Barkhor Street. Hier gibt es überall bunte Stände an denen kleine und große Souvenirs verkauft werden. Wo man nur hinsieht erblickt man Mönche, Nonnen, Pilger und andere Gläubige, die den rituellen Rundgang um den Jokhang Tempel, die sogenannte „kora“, laufen.
Vor dem Tempel selbst sieht man viele Menschen beten. Die Gebete werden im Wechsel von Bewegungen gesprochen: Stehen, Hände vor der Brust, dann über dem Kopf – Knien – Liegen, Hände ausgestreckt, anschließend über dem Kopf – Aufstehen und wieder von vorne. An den Händen haben die Gläubigen meist Holz oder Pappe, um sich die über-den-Boden-nach-vorne-schiebenden-Hände zu schützen. Während ich dieses Spektakel beobachtete machte ein Gläubiger eine Bewegung nicht vollständig und sofort drehten die anderen betenden Menschen ihm den Rücken zu! Das ist mal eine heftige Form von Mobbing! Allerdings muss ich sagen, dass nicht nur vor den Tempeln gebetet wird. Laut Sangbu kann jeder Gläubige überall beten, indem er sich vorstellt vor ihm stünde ein Buddha! So sieht man auf den Straßen häufig Menschen flach wie eine Flunder auf dem Boden liegen und Gebete vor sich hin murmeln! Im Tempel selbst gab es wieder viel zu sehen. Er stammt aus dem Jahre 639 und wurde für eine Buddhastatue errichtet, die eine Mitgift der nepalesischen Prinzessin Bhrikuti darstellte. Auch heißt es, dass der Tempel genau auf dem Herzen eines weiblichen Dämons gebaut wurde um diesen zu bändigen... ;-) Leider galt auch hier das „no pictures“-Verbot! Draußen allerdings war das fotografieren wieder erlaubt:
(Chris und ich im und auf dem Jokhang Tempel)
Am Nachmittag ging es zum Sera Kloster. Das 1419 gebaute Areal war der Wohnort von über 5000 Mönchen. Heute leben dort „nur“ noch ca. 500. Auch hier war es wieder sehr malerisch. Die braunen Berge im Hintergrund, blauer Himmel und die außen weißen und innen bunten Bauten! Bei einem Tempel standen hunderte von Chinesen Schlange. Wir durften –dank Sangbu- überholen und uns ganz vorne einreihen. Die Tibeter brauchen keinen Eintritt zahlen, die Touris aber schon! Ein Glück, dass ich kein Chinesisch verstehe... hier wurde uns sicherlich das ein oder andere Schimpfwort nachgeworfen. Vor der Statue (man glaubt es kaum: ein Buddha ;-) und ein Pferd) musste man sich hinknien und dann den Kopf gegen einen Stoffwand drücken. Beim Aufrichten sollte man dann versuchen einen Blick auf den „horseneck“ zu erhaschen... Wozu das gut ist weiß ich auch nicht...! Die kleinen Kinder erhielten im Anschluss von einem Mönch noch eine schwarze Nase (wie beim schwarzen Peter), was sie vor bösen Dämonen schützen soll. Ganz niedlich eigentlich... ;-)
(Verzierungen und Buddhas, damit ihr mal ne Idee bekommt...)
(Selbstgebauter Wasserkocher^^)
Gegen Abend besuchten wir noch ein Nonnenkloster. Hier war es sehr idyllisch und die Nonnen lächelten freundlich! Hier durfte man endlich auch im Inneren fotografieren: Als wir dort waren, war ebenfalls Gebetsstunde. Die meisten Nonnen versammelten sich in einem kleinen Raum und schnatterten ihre Gebet und rollten dabei Gebetszettelchen.
Nach einem anstrengenden Tag, fiel ich erschöpft ins Bett. Der Hunger trieb mich dann aber doch noch aus dem Hotel ins nächste Restaurant. Hier aß ich wieder Yak. Dieses Tier wird hier verehrt und wirklich alles verwertet und es schmeeeeeeeckt ;-) haha! Allerdings darf man nicht darüber nachdenken, dass das Fleisch nur zwei Ecken weiter draußen an den Ständen hängt und von allen Marktfrauen angegrabbelt wird und das den lieben langen Tag! Vielleicht kommt daher das besondere Aroma?! ;-)
(alle Vegetarier bitte wegsehen...!)
Unterwegs straf ich Marion und Kathrin wieder und auf den Tipp von meinem Guide fuhren wir gemeinsam zum Potala Palace, der bei Nacht beleuchtet ist!
Hier ein bisschen Postkartenromantik:
Nach einem Absacker-Cocktail fiel ich dann endlich erschöpft ins Bett. Meine Füße!!! ;-)
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Montagmorgen genoss ich wieder ein Frühstück in der Sonne.
Danach ging’s für Sangbu und mich zum Sommerpalast der Dalai Lamas. Wenn es ein Paradies geben sollte, dann ist es dieser Palast. Eigentlich ist es weniger ein Palast, als ein riesiger Garten und kleinen Wegen, großen Bäumen, singenden Vögeln und kleinen Gebäuden, die als Wohnzimmer, Empfangszimmer, Schlafzimmer, Gebetszimmer usw. dienten. Kurz gesagt Frieden! Da wir noch früh am Morgen dort waren, hatten wir den Park fast für uns. Nur vereinzelt sah man noch andere Gruppen! Suuuper schön!
(Hier gibt's sogar Hunde, die dich vom DACH anbellen...^^)
Zurück im Hotel, checkte ich noch aus und dann war es auch schon Zeit für „time to say good bye Lhasa“. Auf dem Flug zurück war die Sicht leider nicht so klar, was mir aber später herzlich egal wurde. Mit meinen 22 Jahren habe ich es bis jetzt erst zwei Mal erlebt, dass die Menschen im Flugzeug anfangen zu schreien. Gestern war das 2. Mal... Nach wirklich heftigen Turbulenzen und mit dem Herz in der Hose landeten wir schließlich aber doch sicher in Peking! Uff...
Geschüttelte (nicht gerührte) Grüße!
Kim