Mein Leben & ich in crazy Peking
Diese Woche hatten wir von Montag bis Mittwoch wegen dem Dragonboat Festival drei Tage frei. Die Zeit nutzten Victoria und ich und buchten einen Trip nach DunHuang in die Wüste.
DunHuang liegt ca. 2000 km westlich von Peking in der Provinz Guansu und ist eine Oasenstadt in der Sandwüste Taklamakan. Die Taklamakan-Wueste ist die zweitgrößte Sandwüste der Welt und ist ein Teil der Steppenwüste Gobi. Den Unterschied zwischen Wüste Gobi („Gobi“) und einfach nur Wüste („desert“) beschrieb mir mein Reiseführer Kevin: Gobi ist auch eine Art Wüste, besteht aber mehr aus Kieseln, Steinen und kleinen, verdorrten Büschen. Die Wüste hingegen ist eine Sandwüste bestehend aus Dünen mit nichts als Sand. ;-)
(links Gobi, rechts Wüste)
Montagmorgen 07:20 Uhr und der Flieger hob ab. Drei Stunden später landeten wir in DunHuandg. Schon während des Fluges konnte man nur karge Landschaften, Wüsten und Steppen sehen. Beim Aussteigen aus dem Flugzeug hatte ich das Gefühl ich laufe gegen eine heiße Wolke. Die Luft war trocken und wahnsinnig heiß, obwohl es erst 10:30 Uhr morgens war. In diesem Moment war ich froh meine Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor 45 (noch von meiner Reise nach Hainan Island!) eingepackt zu haben. Draußen erwartete uns schon Kevin- unser Reiseführer.
Am Mittag fuhren wir zu den Mogao-Grotten. Die Mogao-Grotten sind Höhlen, die von buddhistischen Mönchen zwischen dem 4. und 11. Jahrhundert in den Felsen gegraben wurden. Die über 1000 Höhlen wurden mit Buddhastatuen und farbenfrohen Malereien verziert. Heute sind noch 492 Grotten erhalten und 13 für die Touristen geöffnet. Seit 1987 gehören Die Grotten zum Weltkulturerbe.
Unsere Führung dauerte ca. 3 Stunden, die wirklich wie im Fluge vergingen. Leider war das fotografieren nicht erlaubt (die Kameras musste man sogar am Eingang abgeben!), da das Blitzlicht die Malereien auf Dauer beschädigen würde. Die Höhlen sind sogar ohne Licht ausgestattet, sodass sie stockdunkel sind. Nur der Reiseführer mit einer Taschenlampe bewaffnet und das Tageslicht durch die Tür (mit Schlössern gesichert!), erhellen diese ein wenig. Dadurch wird aber die ganze Atmosphäre total mystisch und man fühlt sich fast wie in die früheren Zeiten versetzt.
(Bilder aus einer KOPIERTEN Grotte)
Alle Höhlen waren sehr farbenfroh, wenn man sich auf rot, blau, braun und teilweise sogar grün und gold beschränkt, und sehr detailreich. Die Malereien zeigten meist Buddhas / Herrscher und deren Hofleben mit tanzenden, musizierenden Frauen oder Apsaras („flying angels“). Es gibt eine Grotte mit über 1000 kleinen mini-Buddhas, wobei jeder unterschiedlich gestaltet sein soll – Wahnsinn! Das Highlight in den Grotten waren jedoch eine Höhle mit einem 30m (!) großen sitzenden Buddha und eine Höhle mit einem 27m langen (liegenden) schlafenden Buddha. Wenn man sich überlegt, wie lange die Mönche an solchen Skulpturen gemeißelt haben müssen, wenn alleine schon die Malereien teilweise 29 Jahre (!) gedauert haben... ;-)
Es heißt auch, dass in den Grotten das erste gedruckte Buch (als Schriftrolle), die Diamant-Sutra, gefunden wurde.
(Flying Angel - das Wahrzeichen von DunHuang!)
Am Abend gingen Kevin, Victoria und ich noch zu einem Footcourt. Es ist eine Art Marktplatz und überall stehen kleine Sitzgelegenheiten und am Rand tausende von Imbissbuden. Man bestellt sich einfach irgendwo etwas Leckeres und setzt sich hin wo man möchte. Sehr easy going! Hier hatte ich auch die Gelegenheit „donkey“ zu probieren (lecker, schmeckt wie Rind!) Man muss nur wie immer das Gehirn beim Essen ausschalten! ;-)
Später gingen Victoria und ich noch in eine Akrobatik-Show. Hier wurde eine Geschichte einer chinesischen Göttin und ihrer Familie im Kampf gegen einen Teufel durch Kunstturnen erzählt. Auch hier wieder sehr farbenprächtig, laut und seeeehr gelenkig. ;-)
Am nächsten Tag wachte ich hungrig wie ein Baer auf, doch leider war das durchaus reichhaltige Frühstücksbuffet ausschließlich chinesisch, wobei ich mich auf Obst und Sojamilch beschränken musste. Beef-Breakfast-Noodles oder eingelegte Algen sind um 07:00 doch noch etwas zu früh (vor allem ohne Kater!^^).
Nach dem Frühstück fuhren wir 180km zu dem Yadan Geological Park. Bei unser Fahrt sahen wir die unterschiedlichsten Naturformen: Sandwüste, Gobi, Gebirge, Seen (teils ausgetrocknet, teils fröhlich plätschernd) und Wäldchen.
Dieser Yadan „Park“ war früher ein riiiiiiesiger See, der jedoch ausgetrocknet ist. Durch die Austrocknung, Sand, Salz und Wind entstanden die unterschiedlichsten Felsformationen, welche einmalig in der Welt sein sollen. (Mehr wurde mir leider nicht übersetzt, der Busreisefueher sprach nur Chinesisch!)
(links die Sphinx (mit viel Fantasie!)+Pyramide, rechts ein Pfau)
Während unserer Bus durch die Ödnis fuhr, konnte man zum Beispiel in den Felsen eine Schildkröte, die Sphinx, Pyramiden und einen Pfau erkennen. An den besonders interessanten Stellen wurde kurz Halt gemacht und schnell ein paar Fotos geschossen – chinesisches Sightseeing eben! Hauptsache Fotos, Fotos, Fotos! ;-) Eine Stelle hieß „New York City“, da sich Formationen wie ein Schachbrett (und somit auch wie die Straßen von New York) angeordnet waren. Eine andere Formation sollte die „western fleet of china“ darstellen. Da China im Westen keine Küste und dementsprechend auch keine Flotte im Westen haben kann, nannten sie eben die Uboot-förmigen Steine so. ;-)
Anschließend fuhren wir zum Jade Gate Pass („Yumen Gate“). Eigentlich ist es nur noch ein großer Felsbrocken (10m hoch / 633qm) und in der Mitte ist ein Tor zum Passieren. Das Gate ist aus dem Jahre 200 (Han Dynastie), also schon ziemlich alt. Victoria war total begeistert, da es wohl DAS Tor in der chinesischen Geschichte ist. „Very important“ hatte sie mir versichert. Nun ja, okay. ;-)
Früher wurde durch dieses Gate die Jade auf der Seidenstraße nach China transportiert. Daher auch der Name „Jade Gate Pass“. Zudem diente es als Poststation und als Ausstellungsamt für die damaligen Reisepässe um weiter auf der Seidenstraße nach Westen reisen zu dürfen. Alles und wer auch immer nach China wollte und etwas zum Handeln hatte, musste eben durch dieses eine Tor.
Für mich war der Ausblick schöner... ;-)
Nach dem „Yumen Gate“ fuhren wir zu dem Gegenstück, dem „Yangguan Pass“. Es ist ein Turm, der früher als Abwehrturm diente. Hier wurden (wie bei Herr der Ringe) Leuchtfeuer bei Gefahr entzündet um Hilfe zu rufen bzw. die Truppen zu warnen. Heute steht nur noch dieser eine Turm, da die Sandstürme die anderen Tower abgeschliffen haben. Früher waren der „Yangguan Pass“ und das „Yumen Gate“ durch die Große Mauer verbunden und bildeten eine Abwehrlinie. Somit war der „Yangguan Pass“ das Nadelöhr und die einzig begehbare Stelle der südlichen Seidenstraßenroute und das „Yumen Gate“ das Nadelöhr der nördlichen Seidenstraßenroute. Daher kommt es, dass die Gansu Provinz auch sehr schmal und lang angelegt ist. Die Berge auf der einen Seite und die Mauer auf der anderen. „Hard to attack, easy to defend“ erklärte Kevin.
Nach dem Pass, besichtigen wir noch eine Museumstadt am Fuße des Towers. Hier sind verschiedene Funde (Messer, Spiegel, Vasen, Rüstungen, Alltagsgegenstände und sogar ein mumifiziertes Baby) aus den Dynastien ausgestellt.
Am Abend besuchten Victoria und ich wieder eine Show. Diesmal war es mehr Tanz und Gesang. Insgesamt ganz nett, aber durch den kleinen Meetingraum und die mehr oder weniger guten Tänzerinnen hatte es doch mehr Schulaufführungs-Charakter. Trotzdem auch hier wieder sehr farbenfroh.
Am dritten Tag war es endlich so weit. Wir fuhren in die Wüste (10 Minuten Autofahrt). Um 07:30 morgens war es doch schon erstaunlich voll, aber die Menschenmassen verteilten sich gut. Auch die Hitze war noch in Ordnung, sodass man entspannt in Shorts und Top die Sonne genießen konnte.
Zuerst mieteten wir uns Kamele. Meins „hieß“ Nr. 203. Ich taufte ihn einfach Bob. ;-) Unsere Karawane wurde von einem Guide geführt und auf ging’s. Bob war etwas schauklig, aber sehr gemütlich. Total witzig, ich saß noch nie auf einem Kamel und jetzt weiß ich auch warum es Wüstenschiff genannt wird. Man schaukelt wie auf einem Schiff ;-) Sehr gemächlich konnte man so die Umgebung genießen, die mit jedem Moment schöner wurde. Das hat sogar das frühe Aufstehen entschädigt. ;-)
An unserem ersten Stopp angekommen, machten wir kurz Rast und ich nutzte die Gelegenheit mir ein Quad zu mieten! Yeha! ;-) Zwar hatte ich neben mir einen Guide sitzen, der im Notfall eingreifen konnte, aber gefahren bin ich alleine. Mit Vollgas ging es die Dünen hinunter und hinauf. Ich muss echt sagen, das Ding macht RICHTIG Laune!!! Manchmal hatte man zwar das Gefühl das Quad würde kippen, aber ich dachte mir „wayne, wenn fallen wir ja in den Sand“ ;-) hat aber alles gut geklappt! :-D
Nach dem Adrinalinkick ging’s wieder zurück zu Bob und seinen Freunden. Teil 2 der Wüstenkarawane. Wir ließen uns zu der Oase schaukeln. Es ist ein künstlich angelegter See (in Halbmondform) und ein Mini-Park mit Tempeln und Garten. Sieht echt super schön aus. Die Oase in mitten der Wüste! Hier hatten wir die Gelegenheit auf die Dünen zu klettern/laufen und die Wüste hautnah zu erleben. Wenn man die Holztreppen, oder was davon übrig war, benutzen wollte (was man musste, wenn man nicht knöcheltief im Sand einsacken wollte!), musste man noch mal schön in die Tasche greifen – Touriabzocke! Der Aufstieg war suuuper anstrengend und ich musste mehrmals Pause machen. Oben ließ ich mich nur noch in den Sand plumpsen und trank japsend mein Wasser. Da war die Große-Mauer-Terror-Tour einfacher und das will schon was heißen! ;-)
(links die Oase, Victoria, Kevin und ich, rechts der Aufstieg auf die Düne)
Nach einer kurzen Verschnaufpause entschied ich mich noch eine Düne zu erklimmen, da sie noch höher lag und somit einen schöneren Ausblick hatte! Leider gab es hier keine Leiter und ich war sehr froh, dass mich Bob die letzte Stunde durch die Dünen getragen hatte! Zwischen meinen Flüchen feuerte mich eine chinesische Reisegruppe von oben an. Das war wirklich witzig und so kam ich auch hier schnaufend (wie ein Walross) oben an.
Oben angekommen schossen die Chinesinnen tausende von Fotos und ich hatte nicht mal Zeit Luft zu holen ;-) In allen erdenklichen Kombinationen wollten sie Fotos. Aber für das Anfeuern kann man sich ja so gut revanchieren und perfektes Englisch sprachen sie auch! :-D
Wieder zurück auf der unteren Düne konnte man sich wieder Quads mieten und ich beschloss noch eine Tour zu machen. Diesmal war die Route auch etwas anspruchsvoller und hügliger. Ganz oben angekommen (andere Düne), war mein Guide ganz begeistert von meinen Fahrkünsten (ist ja eigentlich gar nicht soo schwer, aber gut was solls^^) und gab mir „five“. ;-) Hier schossen wir noch ein paar schöne Bilder und man konnte den Sand singen oder auch summen hören. Ganz witzig. Auf der Rückfahrt durfte ich leider nicht fahren, aber wurde dadurch mit ein paar Sprünge über Dünenkämme entschädigt- HAMMER!
Am oberen Ende der Treppe war dann unsere Spritztour zu Ende und ich musste mir die Tränen vom Fahrtwind aus dem Gesicht wischen! Ich freu mich schon auf die nächste Quad-Tour!!! ;-)
Die Düne ganz runter zu kommen war sehr viel einfacher als hoch. Die „Treppen-Gebühr“ beinhaltete eine Rutsche nach unten. In einem Donut-Gummi-Ring rutschte ich den Abhang hinunter. Ich muss sagen, das Ding wird wirklich schnell wird und man dreht sich einmal um 180 Grad, sodass man mit dem Kopf voran den Hügel hinunter rutscht! ;-) hihi!
Nun ritten wir noch mit unseren Kamelen zum Startpunkt zurück und schon war unsere Wüstentour vorbei Leider!
Zurück im Hotel sprangen wir noch schnell unter die Dusche und checkten aus. Nach einem (langweiligen^^) Museumsbesuch ging’s auch schon wieder zum Flughafen. Leider tobte in Peking ein Gewitter, sodass wir einmal in Lanzhou und in der Inneren Mongolei zwischenlanden mussten. Nach über 11 Stunden Reisezeit (für 3 Stunden Flug!) kamen wir müde um 03:00 morgens in Peking an.
Insgesamt war Dun Huang wirklich eine Reise wert. Besonders die Mogao Grotten und der Vormittag in der Wüste waren wirklich super. Nur, dass man wirklich 5 Liter Wasser an einem Tag trinken kann, hätte ich nicht gedacht! ;-)
Viele Grüße
Kim