Mein Leben & ich in crazy Peking
Nach gut zwei Wochen schaffe ich es nun auch meine Erlebnisse wieder festzuhalten.
Vorletztes Wochenende (bei euch Ostern) hatten wir den Montag ebenfalls frei- wenigstens einen Tag!;-) Es war der „Fahr-zu-den-Gräbern-deiner-Ahnen-und-gedenke-ihnen-Tag“. Diesen Tag hatte ich mich mit Victoria aus dem Buero verabredet. Sie wollte mir ein paar Ecken von Peking zeigen, die nicht unbedingt im Reiseführer stehen.
Wir fuhren zu Tian amen Street (oder so ähnlich) um dort ein bisschen Shopping zu machen. Dort gab es allerhand internationale Marken, aber ich habe meiner Selbstbeherrschung nicht getraut (ich hatte die Kreditkarte dabei) und so gab es nur einen Frappucchino von Starbucks und Windowshopping. ;-)
(Die Einkaufsstraße und die Bimmelbahn)
In einer kleinen Nebenstraße wurde es dann ursprünglicher und chinesischer. Die restaurierten, großen Geschäfte schwanden für keine Garküchen und Shops. Überall war es bunt, laut und die Fähnchen wehten im Wind. Dort nahmen wir uns eine Rikscha und ließen uns durch die Gassen fahren. Mitten im Getümmel fanden wir einen Laden, wo Maler auf Wunsch chinesische Aquarellbilder mit dem Lieblingsmotiv malten. Die Gelegenheit endlich mein Wunschbild für mein Wohnzimmer malen zu lassen, ließ ich mir nicht entgehen und schnell war auch ein passendes Motiv gefunden: grüner Bambus. Laut Victoria steht der Bambus zwar für die Männlichkeit, aber das war mir in dem Moment ziemlich wurscht!
(Der Künstler und ich)
Anschließend fuhren wir durch die Hutongs. Hutongs sind alte, typische Gassen mit kleinen „Häusern“, was im Gesamtbild eine Art Wohnviertel bildet. Die Hutongs in Beijing gelten als die charakteristischen ihrer Art. Laut meinem Reiseführer gibt es mehr als 1000 (!!) in Peking und die meisten wurden während der Dynastie Yuan (1279-1368), Ming (1368-1644) und Qing (1644-1911) gebaut. Also alle ziemlich alt.
Leider machte unser Hutong auch genau solchen Eindruck. Alles war alt, zerbrechlich, schmuddelig und einfach nur heruntergekommen. Als ich hörte, dass sogar reiche Chinesen gerne in so einer zu Deutsch "Baracke" wohnen, war ich einfach nur baff!
Abends gingen wir Beijing Roasted Duck essen. Hier isst man die Pekingente mit keinen, hauchdünnen Pfannkuchen, etwas Sojasoße, Lauch und Gurken als Wrap. LECKER! Dazu bestellte Victoria noch eine Spezialität: „Santéed Duck Hearts“: Kleine geteilte Entenherzen! Ich erfuhr leider erst im Nachhinein um was es sich handelte, sodass ich sagen muss, wirklich köstlich – wenn man nicht darüber nachdenkt was man dort isst!
Vollgefuttert schnappten wir uns ein Taxi und fuhren zum Red Theatre, wo „Legend of Kung Fu“ aufgeführt wurde. Die Show war einfach der Hammer: Die Mönche waren so beweglich und stark, dass man seinen eigenen Augen nicht trauen mochte. Es wurde sogar der "Hals-gegen-Speer-drücken-Trick", oder "Eisenstange-mit-dem-Schädel-zerschmettern-Trick" gezeigt. Wirklich nur atemberaubend! Selbst die kleinen ca. 9 jährigen Jungs konnten schon Tricks und Bewegungen, da wäre so mancher russischer Zirkusartist echt neidisch!
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Am Dienstagmorgen flog ich (wieder in aller Herrgottsfrühe) nach Wuxi bei Shanghai. Von dort ging es mit dem Auto weiter nach Jiangyin, wo wir zwei Werften besuchten. Bei der zweiten (Jiangsu Yangzijiang Shipbuilding Co.) sollte die Schiffsübergabe und –taufe am nächsten Tag stattfinden. Das überraschende war, dass ich als Taufpatin für die MV Jamila ernannt wurde! ;-)
(Die Werft)
Am Abend lud uns die Werft zu einem Dinner mit „typical local food“ ein. Uff, ich hätte doch Vegetarier werden sollen... Es gab u.a. Schweine- und Rinderleber (geht ja noch), Quallensalat, Schweineinnereien und Blut als süßer Dumpling (geht gar nicht!), Schweinedarmsuppe und Kugelfisch, wobei man sagt, dass einer von 5 Fischen giftig ist! Da ich als Taufpatin sehr umgarnt wurde, hatte ich die „Ehre“ alles als Erste zu probieren... :-/ Nun ja, ich war froh, dass es starken chinesischen Reiswein (Mischung aus Whiskey und Mao Tai) zum desinfizieren des Magens gab! ;-) Dennoch war mein Chef sehr besorgt und so durfte ich den Kugelfisch erst 20 Minuten nachdem er ihm probiert hatte -und auch überlebt hat- essen. Eigentlich ganz niedlich!
(v.l. im Vordergrund: Mein Chef Bao Yidong, der Werftchef Mr. Ren, ich, mein Vater)
Am Mittwoch war es dann so weit. Geschiegelt und gebügelt fuhren wir zur Werft, wo mich auch schon mein Vater erwartete. Endlich mal wieder jemand nicht-chinesisches!!! Ich hab mich jedenfalls sehr gefreut!
Nach dem Unterschreiben der Lieferdokumente fuhren wir zur Jamila. An Deck begrüßten uns Kapitän, Chief und der Rest der Crew. Während der Begrüßungsrede wurde die obligatorische Champagnerflasche aufgehängt. Doch leider hatte der Matrose wohl ein bisschen schwitzige Hände und so glitt ihm das Seil aus der Hand und die Flasche zerbrach fröhlich an den Brückenaufbauten ;-) Nichts desto trotz war pünktlich zu meiner Rede, eine neue Flasche angebracht und auch sie zerschmetterte beim ersten Versuch! Ein Glück! ;-) Laut Legende bringt es nämlich nur Unglück für das Schiff und die Crew, wenn die Flasche nicht gleich beim Ersten Versuch zerspringt. Manche glauben sogar, dass Schiff würde sinken oder von Piraten überfallen werden. In diesem Sinne hatte mein „Baby“ nun doppelt Glück – schließlich wurde sie zweimal mit Champagner begossen! ;-)
Abends waren wir zum „naming dinner“ geladen, wo erneut Reden gehalten, Geschenke überreicht und viel auf Jamila angestoßen wurde! Anschließend (um 21 Uhr ist bei solchen Essen immer Schluss) ging es mit der Crew und den Eigentümern noch ins Hofbräuhaus, wo noch ein bisschen weiter getrunken wurde. Ich muss sagen, das Schiff hat eine echt lustige Crew!!
Donnerstag verlief mit weiteren Meetings und einem italienischen Abendessen. Recht unspektakulär, obwohl das Essen wohl das Beste seit laaaanger Zeit war! ;-)
Am Freitag fuhren wir mit dem Auto zurück nach Shanghai. Dort spielten wir auf Sun Island Golf. Leider wurde die Stimmung etwas getrübt, da mein Vater und ich fast von 2 Golfbällen erschlagen wurden! Die Übeltäter (zwei Möchtegern-wichtig-Chinesen) hatten nicht mal ne anstaendige Entschuldigung uebrig, sodass wir meinen Chef davon abhalten mussten, die zwei in den anliegenden Fluss zu werfen! Als Entschädigung bekamen wir kostenlosen Kaffee, wobei ich mich fragte, wozu Kaffee bei einer schweren Kopfverletzung, Koma oder gar schlimmeren haette helfen sollten. Jedenfalls koennen die Uebeltaeter und der Golfplatz Direktor nur froh sein, dass ich sie auf Englisch anpöbeln musste. Auf Deutsch wären mir bestimmt ein paar „schönere“ Wörter eingefallen... Jedoch war die chinesische Version von meinem Chef echt Film reif!
Am Abend gingen wir entspannt Teppanyaki Essen. Lecker! Ein richtiges Schlemmerwochenende! ;-) Um 20:30 Uhr sprang mein Chef plötzlich auf und sagte, dass unser Flug schon um 21:05 gehen würde. So fiel der Abschied von meinem Vater recht kurz aus und wir rasten zum Flughafen. Dort angekommen lief mein Chef zum Check-in und ich schnappte mir einen Polizisten (er war ziemlich verdattert) und winkte ihm mit dem zweiten Gepäckwagen hinter mir her. Einmal quer über den Flughafen, mit der Goldmembercard von Air China gewunken und schon waren wir eingecheckt. ;-) Hat schon so seine Vorteile! Am Flugsteig angekommen, bemerkten wir, dass unsere Maschine ebenfalls 15 Minuten Verspätung hatte (unser Glück) und so konnten wir gerade noch rechtzeitig an Bord gehen! Uff!
Bis bald und fröhliche Grüße
Kim